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Städteführer

Zürich zählt weltweit zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität. Die Lage ist wunderschön mit dem See, dessen Becken bis in die Innenstadt reicht. Die bewaldeten Bergrücken in der Umgebung laden zu Ausflügen, und tausend Vergnügungen lenken ab von den Dingen, die man sich vorgenommen hat. Die Woche hat nicht genügend Abende für all das, was die Theater bieten, ein Kunstrundgang kommt einer Langstreckenwanderung gleich, weil es auf engem Raum so viele gute Galerien und Museen gibt, und wer in die Partyszene eintaucht, braucht das Hotelzimmer nur noch zum Duschen und Umziehen. Da ist was los.
Im Ausland ist Zürich eher bekannt für seine fusionierten Grossbanken. Unter dem Paradeplatz liegen ihre massiven Goldreserven, bei den noblen Wirtschaftsanwälten werden Übernahmen zu schwindelerregenden Summen ausgehandelt. In den steuergünstigen Gemeinden scheint hinter jeder Hecke ein Millionär zu wohnen und 4,1 Prozent der Bevölkerung sind es wirklich. In und um Zürich gibt es sehr viele sehr reiche Menschen. Daher gibt es auch sehr viele Möglichkeiten, ganz rasch ganz viel Geld auszugeben. Wer die Storchengasse abklappert, kann durchaus nachvollziehen, wie schnell es geht, die Anzahlung für ein Einfamilienhaus in ein paar Kaschmir-Pullover zu buttern.
Das ist nur eine Seite von Zürich. Die hohe Lebensqualität misst sich nicht an den Bedürfnissen der paar Ölscheichs und Bankiers, die überall in Saus und Braus leben können. Sie misst sich am Wohlergehen einer breiten Bevölkerung, die redlich arbeitet, das Leben geniesst und zum Schluss kommt, in einer wunderbaren Stadt zu sein. Die erste Bevölkerungsstatistik dieses Jahrtausends stellt eine Trendwende in der Stadtentwicklung fest. Nach Jahrzehnten der Entvölkerung, der Flucht ins Grüne, aufs Land und in die steuergünstigen Gemeinden, ist die Einwohnerzahl der Stadt erstmals wieder zunehmend. Die Agglos verkaufen Auto und Rasenmäher und ziehen zurück ins volle Leben; Paare wollen schon gar nicht mehr raus aus Zürich, nur weil Kinder kommen. Selbst Künstlerinnen und Künstler mit Blick auf internationale Karrieren schauen sich heute nur noch kurz in New York und London um, wandern aber nicht mehr zwangsläufig aus. Junge Designer aller Sparten starten lieber in einem Hinterhof von Zürich ihr eigenes Atelier, als bei den grossen Labels die Klinken zu putzen. Die little big city Zürich ist zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum geworden.
Die grösste Stadt der Schweiz zählt nur rund 363 000 Bewohner, aber das Angebot an Theatern, Museen, Konzerten, Klubs, Restaurants ist das einer Millionenstadt. Von der ganzen Schweiz hat Zürich den höchsten Stand an Einpersonenhaushalten; 50,3 Prozent leben allein und sitzen abends nicht vor dem Fernseher. Auch die Pendler aus den umliegenden Dörfern haben längst gemerkt, dass hier Veranstaltungen aller Art ein höheres Niveau haben als im eigenen Gemeindesaal. Frühmorgens drängt durch den Hauptbahnhof ein gewaltiger Strom ankommender Menschen, der Rückfluss verteilt sich bis tief in die Nacht. Die Bahnen reagierten mit verbilligten Karten ab neun Uhr und einem besseren abendlichen Angebot an Verbindungen in die Agglomeration.
Zürich ist längst nicht mehr die protestantische Zwinglistadt, die um Mitternacht die Läden schliesst. Als müssten Jahrhunderte puritanischer Selbstbeschränkung wett gemacht werden, jagt ein Ereignis das andere. Rund 370 Feste pro Jahr sind registriert. Zur Street Parade reist eine Million Menschen an. Auch an gewöhnlichen Wochentagen toben immer irgendwo Feste und für jeden Geschmack gibt es Parties mit Gleichgesinnten. In Zürich West ist bald in jeder zweiten Fabrikhalle ein Klub. Manchmal ist es schwieriger, einen ruhigen Ort zu finden als die turbulente Szene.
Es gibt viele gute Gründe, Ferien in Zürich zu verbringen. Die hohe Lebensqualität ist auch eine Ferienqualität. Im Zentrum lässt sich das ganze, reiche Angebot an Kaffeehäusern, Galerien und Läden bequem zu Fuss erreichen. Man hüpft mitten in der Stadt in ein Schiff, in einen Bus oder in eine Seilbahn und ist bereits in Strandlaune, in Wanderstimmung oder auf einer Skipiste. Und abends ist dann wirklich mehr los als in den Ferienorten, wo der Barpianist die ewige Repetiertaste drückt.
Dieses Buch stellt Zürich ins Zentrum, aber es schlägt auch Abstecher und Ausflüge zu den umliegenden Schönheiten und Attraktionen vor. Generell gilt die Faustregel: je weiter weg etwas liegt, desto besser muss es sein, um gegen die harte Konkurrenz der Zürcher Angebote bestehen zu können und hier aufgenommen zu werden. Was mehr als eine Zugstunde von Zürich entfernt ist, blieb gnadenlos auf der Strecke. Sorry, Zürich bietet mehr als genug.
Der schnelle Wandel Zürichs macht gültige Aussagen schwierig. Schon während der Korrekturphase jagten sich die Änderungen, weil Geschäfte umzogen, die Öffnungszeiten wechselten, alte Klubs mit neuen Namen weitermachten, neue entstanden. Die Preise zeigen ohnedies einen Hang nach oben. Bis zum letzten Moment wurden Angaben korrigiert. Aber Nachfragen ist sicherer, da sich garantiert schon wieder einiges verändert, bis die Druckerschwärze trocken ist.

Susanna Heimgartner
Zürich … komplett

3. überarbeitete Neuauflage
440 Seiten,
5 Stadtpläne und Karten
Format 11,4 x 19 cm

ISBN 3-85862-458-6
Euro 21,50, CHF 37.–
Erscheint Mai 2005

Weitere Informationen:
Zürich Tourismus: www.zurichtourism.ch